Retatrutid gilt als einer der spannendsten neuen Wirkstoffe im medizinischen Gewichtsmanagement. Was dahintersteckt, wie es sich von Mounjaro unterscheidet und warum eine Anwendung derzeit noch nicht regulär möglich ist.
Retatrutid
16.07.2026 | Dr. Charlotte Marian (Grillitsch) 
Retatrutid, international häufig Retatrutide geschrieben, ist ein neuer experimenteller Wirkstoff zur Gewichtsreduktion. Er wird derzeit klinisch untersucht und gilt als möglicher nächster Schritt nach modernen Abnehmspritzen wie Wegovy und Mounjaro.
Der große Unterschied: Retatrutid setzt an drei Rezeptoren an. Während Semaglutid vor allem über GLP-1 wirkt und Tirzepatid/Mounjaro über GLP-1 und GIP, aktiviert Retatrutid zusätzlich den Glucagon-Rezeptor. Deshalb wird Retatrutid oft als Triple-Agonist bezeichnet.
Die bisherigen Abnehmspritzen arbeiten vor allem über Hunger, Sättigung und Blutzuckerregulation. Retatrutid geht theoretisch einen Schritt weiter, weil es drei Stoffwechselachsen kombiniert:
Genau dieser dritte Rezeptor ist vermutlich das, was im Gespräch oft missverständlich als „drittes Rezept“ bezeichnet wird. Gemeint ist: Retatrutid wirkt auf einen dritten Rezeptor, nämlich zusätzlich auf den Glucagon-Rezeptor.
| Wirkstoff | Rezeptoren | Einordnung | Status |
|---|---|---|---|
| Semaglutid Ozempic/Wegovy |
GLP-1 | Bewährter GLP-1-Wirkstoff; Wegovy ist für Gewichtsmanagement zugelassen. | Verfügbar, je nach Präparat und Indikation |
| Tirzepatid Mounjaro |
GLP-1 + GIP | Dualer Wirkmechanismus, oft stärkere Gewichtsreduktion als reine GLP-1-Therapien. | Verfügbar, ärztlich zu prüfen |
| Retatrutid | GLP-1 + GIP + Glucagon | Triple-Agonist mit sehr starken Studiendaten zur Gewichtsreduktion. | Noch nicht regulär zugelassen |
Retatrutid ist also nicht einfach „noch ein Mounjaro“, sondern ein eigener Wirkstoff mit erweitertem Rezeptorprofil. Ob es später für bestimmte Patient:innen besser geeignet ist, hängt von Zulassung, Sicherheit, Langzeitdaten und individueller medizinischer Situation ab.
Frühe und fortgeschrittene Studien zu Retatrutid berichten teils sehr starke Gewichtsreduktionen. In Phase-2-Daten wurden deutliche Gewichtsverluste gesehen; neuere Phase-3-Berichte beschreiben bei hohen Dosierungen Ergebnisse, die über vielen bisher bekannten medikamentösen Therapien liegen.
Solche Zahlen sind medizinisch spannend, sollten aber nicht als Versprechen verstanden werden. Studienergebnisse hängen von Dosis, Studiendauer, Ausgangsgewicht, Begleiterkrankungen, Ernährung, Bewegung und medizinischer Betreuung ab. Außerdem sind Nebenwirkungen und Langzeitdaten entscheidend, bevor ein Wirkstoff breit eingesetzt wird.
Nach aktuellem Stand ist Retatrutid in Österreich nicht regulär als Abnehmspritze zugelassen. Das bedeutet: Eine seriöse Behandlung darf nicht über Graumarkt-Produkte, unklare Online-Quellen oder Selbstinjektion erfolgen. Gerade bei neuen Peptid-Wirkstoffen ist das Risiko von falscher Dosierung, Verunreinigung oder gefälschten Produkten besonders hoch.
Für Patient:innen ist der wichtigste Punkt: Nicht jeder neue Wirkstoff, der online diskutiert wird, ist bereits eine sichere oder legale Therapieoption. Medizinische Abnehmtherapie braucht Diagnose, Laborwerte, Kontraindikationscheck, Verlaufskontrolle und einen Plan für Ernährung, Muskelmasse und Gewichtsstabilisierung.
Wenn Retatrutid zugelassen wird und die Sicherheitsdaten überzeugen, könnte der Wirkstoff besonders für Patient:innen interessant sein, bei denen eine stärkere metabolische Wirkung benötigt wird. Denkbar wären etwa Menschen mit ausgeprägter Adipositas, Insulinresistenz oder komplexen Stoffwechselproblemen. Das ist aber eine ärztliche Entscheidung und kann erst seriös beurteilt werden, wenn Zulassung, Verfügbarkeit und Leitlinien klar sind.
Bei Med&Skin beobachten wir die Entwicklung moderner GLP-1-, GIP- und Triple-Agonisten sehr genau. Unser Ziel bleibt aber immer dasselbe: nicht möglichst schnell möglichst viel Gewicht verlieren, sondern medizinisch sinnvoll, sicher und nachhaltig abnehmen.
Davon ist klar abzuraten. Gerade bei nicht zugelassenen Wirkstoffen besteht ein hohes Risiko, dass Produkte nicht das enthalten, was angegeben wird, falsch gelagert wurden oder falsch dosiert sind. Auch wenn Patient:innen berichten, Retatrutid im Ausland oder über Online-Anbieter zu bekommen, ist das keine sichere medizinische Therapie.
Wer sich für moderne Abnehmspritzen interessiert, sollte stattdessen ärztlich klären lassen, welche aktuell zugelassenen Optionen infrage kommen. Dazu gehören je nach Situation Wirkstoffe wie Semaglutid oder Tirzepatid sowie ein individueller Therapieplan.
Du möchtest wissen, welche medizinisch verfügbaren Optionen aktuell sinnvoll sind?
Beratung zur Abnehmspritze in Wien buchenIst Retatrutid schon zugelassen?
Nein, Retatrutid ist in Österreich derzeit nicht regulär als Abnehmspritze zugelassen. Der Wirkstoff befindet sich in klinischer Entwicklung beziehungsweise Zulassungsprozessen.
Ist Retatrutid stärker als Mounjaro?
Studienberichte zeigen sehr starke Gewichtsreduktionen. Ob Retatrutid für einzelne Patient:innen später besser geeignet ist als Mounjaro, hängt aber von Zulassung, Sicherheit, Verträglichkeit und individueller medizinischer Situation ab.
Warum wirkt Retatrutid auf drei Rezeptoren?
Retatrutid ist ein Triple-Agonist. Es aktiviert GLP-1, GIP und zusätzlich den Glucagon-Rezeptor. Dadurch werden mehrere Signalwege von Appetit, Blutzucker und Energiestoffwechsel angesprochen.
Kann man Retatrutid aktuell privat kaufen?
Von unreguliertem Kauf über Online-Shops, Social Media oder Auslandskanäle ist abzuraten. Ohne Zulassung, Qualitätskontrolle und ärztliche Betreuung ist die Anwendung riskant.
Dieser Beitrag dient der allgemeinen medizinischen Information und ersetzt keine persönliche ärztliche Beratung. Retatrutid ist derzeit nicht als reguläre Therapieoption in Österreich verfügbar. Ob eine medikamentöse Abnehmtherapie geeignet ist, muss individuell ärztlich beurteilt werden.